Ein Bericht von Jana Scherbarth aus der Perspektive einer 6er-Seglerin von der Hamburger Außenalster:
Bei der diesjährigen Travemünder Woche fand vom 20.-24.07. auch die Europameisterschaft der RS Aeros statt. Im Rahmen der „RS Games“ alle 4 Jahre wurden in sehr vielen verschiedenen RS Bootsklassen mit über 600 SeglerInnen dieses Jahr viele Meisterschaften in der Lübecker Bucht ausgetragen. Bei den RS Aeros gab es auch die Jugend-WM-Wertung, dadurch war das Feld sehr international.
In der Aero-Klasse gab es vier Startgruppen nach Segelgröße unterteilt: 5er, 6er, 7er und 9er. Insgesamt waren wir fast 200 Aeros mit einigen Gästen aus USA, Canada und Australien, und segelten auf Bahn Golf.
In der Woche vor dem Event beobachteten wir etwas nervös die Windvorhersage, die sich täglich änderte von angesagten mehrtägigen fast-Flaute zu stürmischen Winden. Eingetroffen sind dann eher starke Winde mit einem Leichtwindtag und Sonnenschein an vier der fünf Wettfahrttagen.
Die Regatta fand für uns von Montag bis Freitag statt. Wir reisten schon am Wochenende vorher an und übernachteten auf dem Campingplatz Grünfelde, wie sehr viele der RS Aero SeglerInnen. Nach Registrierung, kurzer online-Vermessung und einigen Bootsarbeiten gingen wir am Sonntag noch für einen kleinen Probeschlag aufs Wasser. Dort zeigte sich direkt der Kontrast zur Alster: durch ein Tief am Wochenende hatte sich eine ordentliche Welle aufgebaut und es zogen regelmäßige starke Böenfelder durch, ungewohnte Segelbedingungen für uns also.
Sonntagabend zogen wir mit Landes-Flaggen die Promenade entlang zur Eröffnungsfeier an der Hauptbühne der TraWo-Veranstaltungsfläche.
Am Montag startete unserer Regatta erstmal mit mehrstündiger Startverschiebung wegen zu starkem Wind und vor allem zu hohen Wellen auf unserer Bahn. Vom Ufer aus konnten wir beobachten, wie die J22 auf der eigentlich geschützt innenliegenden Media-Bahn auch nach mehreren Stunden wegen zu hohem Wellengang, starken Böen und slippendem Startschiff-Anker keine Wettfahrten durchführen konnten.
Am frühen Nachmittag wurde der Wind langsam etwas schwächer, so dass zuerst die beiden größeren Segelgruppen 9er und 7er (60 Segler) rausgeschickt wurden. Das Ablegen am Strand bei ablandigem stark böigem Wind war aufregend, aber es waren sehr viele Helfer vorort, sodass alles reibungslos klappte. Nach einer Wettfahrt der großen Segel, wurden auch wir 6er- und die 5er-Aeros aufs Wasser geschickt. Bei etwa 5-7 Bft, ordentlich Welle und auch Strömung segelten wir 2 Wettfahrten, die eine erste Standortbestimmung bei Starkwind im großen Regattafeld von 55 Booten bei den 6ern waren.
Der Dienstag starte mit Sonnenschein und mittlerem Wind. Wir liefen direkt zum ersten angekündigten Signal um 11Uhr aus. Der Wind ließ Mittags leider rapide nach und drehte sehr stark, sodass nur eine gültige Wettfahrt zustande kam, und die Wettfahrtleitung uns schon am frühen Nachmittag wieder an Land schickte. Abends war unsere Klasse auf der Passat zu Getränken und Essen eingeladen, dort genossen wir die schöne Aussicht auf die Trave.
Am Mittwoch dann wieder ein anderes Wetterbild: wie angekündigt wehte es schon morgens mit 4 Bft und wir wurden von Regen geweckt. Die Wetttfahrtleitung gab 4 geplante Wettfahrten bekannt, da wir in den letzten beiden Tagen noch nicht so viel geschafft hatten. Und diese 4 Wettfahrten wurden auch durchgezogen. Der Nordwest-Wind nahm wie angesagt immer weiter zu, auf letztlich 18-24 Knoten im Mittel, und die Welle stand dadurch auch entsprechend.
Für uns eher leichten Seglerinnen mit dem 6er-Segel bedeutete das auf der Kreuz gegen die Welle hängen dass die Beine brannten und Segel flach trimmen, aber nicht zu flach, um auch noch durch die Wellen zu kommen. Auf dem Vorwindkurs konnten dafür wunderbar die Wellen abgesurft werden, bis zu 14 Knoten Bootsspeed wurden dabei gemessen! Kenterungen blieben bei diesen Bedingungen natürlich auch nicht aus, und über den Tag reduzierte sich das Feld deutlich: von 56 StarterInnen in der 6er-Klasse segelten im letzten Rennen nur ca 35 Boote ins Ziel. Abends belohnten wir uns mit einem gemeinsamen Ausflug der deutschen Klassenvereinigung zu den Essens- und Getränkeständen der TraWo.
Auch am Donnerstag wurden 4 Wettfahrten gefahren, diesmal bei schönstem Sonnenschein. Mit „nur“ 3-4 Bft war im Gegensatz zu Mittwoch gefühlt fast Leichtwindsegeln angesagt. Für alle Wettfahrten benötigte fast jede der 4 Startgruppe mehrere Startversuche, wodurch letztendlich unter Uniform und Blackflag gestartet wurde.
Für Freitag waren noch 3 Wettfahrten geplant, so dass wir insgesamt tatsächlich alle ausgeschriebenen 14 Wettfahrten segelten. Mit 2-4 Bft wehte es nochmal etwas schwächer als am Donnerstag, aber immer noch genug um auf den Vorwindkursen die ein oder andere Welle abzusurfen.
Die Europameisterschaft endete am Freitagabend mit einer schönen Siegerehrung direkt auf dem Campingplatz, bei welcher neben der offenen (nicht-Europäer) Europameisterschaft und der normalen Europameisterschaft und der Jugend-WM auch Preise in der Damenwertung und mehreren Masterswertungen vergeben wurden. Auch mit über 65 Jahren kann die sportliche RS Aero also gesegelt werden!
- Link zu den vollständigen Ergebnissen: 137. Travemünder Woche 2026 manage2sail
- offizielle Fotos: https://gallery.digitalsailing.co.uk/rsaeroeuropeanandyouthworldchampionship/
Insgesamt war die Europameisterschaft ein super Event mit wechselhaften, anspruchsvollen aber guten Segelbedingungen, einer tollen Gemeinschaft unter den Aero-SeglerInnen, einer hervorragenden und gut entscheidenden Wettfahrtleitung, und im Rahmen einer sehr schönen Travemünder Woche.
Wir freuen uns schon auf die nächsten großen Aero-Regatten!
Fotos: privat





