Ein Bericht von Kirstin Frenzel:
Zum dritten Mal in Folge ging es für mich an den Lipno See nach Tschechien. Einmal war ich bereits im Herbst dort, dann im Sommer, verbunden mit dem Versprechen auf Sonnenschein und Leichtwind. Bekommen haben wir damals stattdessen Sonne und die inzwischen legendären acht Windstärken rund um die Tschechischen Meisterschaften. Man sollte also wissen: Wer nach Lipno fährt, sollte besser für alles gerüstet sein.
Was diese Regatta so besonders macht, ist einerseits ihr sympathisches „Garagenrennen“-Gefühl und die unglaubliche Herzlichkeit des Teams. Andererseits teilen wir uns den Kurs mit den schnellen RS 700 und 49er/49er FX. Das sorgt regelmäßig für spektakuläre Begegnungen und Manöver auf dem Wasser.
Aber der Reihe nach.
Zum Ende der Saison schwächelte das Team Bayerisches Oberland etwas, sodass wir dieses Mal nur mit zwei Booten vertreten waren. Und auch der Lipno See selbst war Mitte Oktober bereits auf dem Weg in den Winterschlaf. Die Temperaturen ließen den nahenden Winter deutlich erahnen.
Dazu kamen historisch niedrige Wasserstände. Aus rund 725 Metern über dem Meeresspiegel waren im Herbst nur noch etwa 722 Meter geworden. Einige Häfen steckten bereits seit dem Sommer im Schlick. Für uns Segler bedeutete das noch ein ganz anderes Problem: Wer komplett durchkentert, kann mit dem Mast im Schlick stecken bleiben. Das ist auch diesmal einigen passiert und der eine oder andere Verklicker blieb gleich im See.
Vier Rennen zum Auftakt
Am Freitag starteten wir bei frischen Temperaturen, aber deutlich besserem Wetter als vorhergesagt. Vier Wettfahrten bei mäßigem Wind standen auf dem Programm. Die 49er waren noch nicht dabei und stießen erst am Samstag dazu.
Die RS 700 waren im Rahmen ihrer Tschechischen Meisterschaft stark vertreten, während das RS-Aero-Feld mit rund 20 Booten eher überschaubar blieb. Eine Besonderheit in Lipno: Alle Riggrößen fahren gemeinsam und werden über Yardstick gewertet. Das Feld pendelte sich sehr natürlich überwiegend bei 5 und 7 Quadratmetern ein, ergänzt durch einen 9er und einen 6er über die drei Tage.
Samstag: nass, kalt und trotzdem gut
Am Samstag war das Wetter dann schlicht scheußlich und schlechter als vorhergesagt. Trotzdem wurden wieder vier Wettfahrten durchgezogen. Der Wind zeigte sich Lipno-typisch böig, mit einigen fiesen Drehern und dazu einer kleinen, steilen Welle. Entsprechend nass und ziemlich durchgefroren kamen wir nach dem vierten Lauf an Land.
Aber genau hier zeigt sich eine der großen Stärken dieser Regatta: Die Strapazen lohnen sich.
Nach tollen Läufen auf dem Wasser wartete am Abend das gewohnt leckere und mehr als ausreichende Essen in der berühmten Garage. Das wunderbare Buffet am zweiten Abend toppte wieder einmal alles. Da waren müde Muskeln vom Hängen und schmerzende Hände schnell vergessen.
Die letzten Reserven am Sonntag
Am Sonntag waren wohl einige von uns ganz froh, dass die Wettfahrtleitung nur noch zwei Rennen angesetzt hatte. Nach acht Wettfahrten bei Kälte und kräftigem Wind mussten für den windreichsten Tag des Wochenendes noch einmal die letzten Reserven aktiviert werden. In den Böen ging es auf rund 22 Knoten hoch.
Wir drei Aero-Damen kamen nach der ersten Sonntagswettfahrt allerdings kollektiv zu dem Schluss, dass unsere Reserven nun ausreichend getestet waren. Für uns war es Zeit, Richtung Hafen zu segeln und das Feld für das letzte Rennen den Männern zu überlassen.
Sehr souverän gewann Max Titarenko vom Gardasee. Sein Boot durfte anschließend gleich mit mir die Reise an den Starnberger See antreten, denn bereits am folgenden Wochenende standen die Bavarian Open in Tutzing auf dem Programm.
Warum Lipno immer wieder eine Reise wert ist
Unterm Strich war es wieder einmal ein sehr lohnenswerter Ausflug an den Lipno See.
Weil uns natürlich wieder ordentlich Wind begleitet hat.
Weil die Stimmung einzigartig und das Team unglaublich herzlich ist und sich ehrlich über jeden freut, der den Weg nach Lipno findet.
Weil das Essen vom Frühstück bis zum Abendessen einfach klasse ist.
Weil die Mischung der drei rasanten Klassen auf einem Kurs immer wieder für besondere Momente sorgt.
Und weil Lipno für viele von uns einfach ein ziemlich würdiges Saisonfinale ist.
Also: bis zum nächsten Mal. Und das mit dem versprochenen Leichtwind glaube ich dann vielleicht auch irgendwann.





